Die Myoreflextherapie wurde von dem deutschen Arzt Dr. med. Kurt Mosetter entwickelt. Er erarbeitete das Behandlungskonzept auf der Grundlage seiner Beschäftigung mit funktionellen Zusammenhängen zwischen Muskulatur, Nervensystem, Schmerzen und Körperhaltung. Die Therapie verfolgt das Ziel, überhöhte Muskelspannungen zu regulieren, Schmerzen zu lindern und die natürliche Beweglichkeit sowie die Körperhaltung zu verbessern.
Der zentrale Gedanke lautet, dass Muskeln, Sehnen, Gelenke und das Nervensystem nicht isoliert arbeiten, sondern ein eng miteinander verbundenes funktionelles System bilden. Beschwerden an einer bestimmten Körperstelle müssen deshalb nicht ausschließlich dort entstehen. Eine dauerhaft erhöhte Muskelspannung, eine ungünstige Bewegungsgewohnheit oder eine schmerzbedingte Schonhaltung kann andere Muskelgruppen beeinflussen und zu einem veränderten Bewegungsmuster führen. Umgekehrt können Beschwerden an einer Stelle durch Spannungsveränderungen in anderen Körperregionen mitbedingt sein.
Die Myoreflextherapie versucht daher, nicht nur den Ort des Schmerzes zu behandeln, sondern die Zusammenhänge zwischen Muskelspannung, Bewegung, Haltung und Schmerzempfinden zu berücksichtigen. Sie unterscheidet sich damit sowohl von einer klassischen Massage als auch von einer rein passiven Mobilisation von Gelenken.
1. Was bedeutet der Begriff Myoreflextherapie?
Der Begriff setzt sich aus den Wörtern „Myo“ für Muskel und „Reflex“ für eine nervös vermittelte Reaktion zusammen. Der Name verweist auf die zentrale Annahme der Methode: Durch einen gezielten mechanischen Reiz an bestimmten Stellen des Muskel-Sehnen-Systems sollen Reaktionen des Nervensystems ausgelöst werden, die sich auf die Muskelspannung und die Bewegungssteuerung auswirken können.
Um dieses Konzept zu verstehen, muss man sich zunächst vergegenwärtigen, wie Muskeln normalerweise arbeiten. Ein Muskel zieht sich nicht unabhängig von seiner Umgebung zusammen. Seine Aktivität wird vom Nervensystem gesteuert und fortlaufend an die jeweilige Aufgabe angepasst. Gleichzeitig melden Sinnesrezeptoren Informationen über die Muskellänge, die Spannung und die Stellung der Gelenke an das Nervensystem zurück. Auf dieser Grundlage werden Haltung und Bewegung koordiniert.
Bei Schmerzen, Stress, körperlicher Überlastung oder bestimmten Bewegungsgewohnheiten kann sich die Muskelaktivität verändern. Manche Muskeln werden stärker beansprucht, andere arbeiten weniger effektiv. Der Körper kann dadurch Bewegungsmuster entwickeln, die kurzfristig sinnvoll sind, langfristig aber Beschwerden begünstigen können.
Ein Beispiel ist eine Person, die wegen Rückenschmerzen unbewusst den Oberkörper nach vorn neigt. Um diese Haltung aufrechtzuerhalten, müssen bestimmte Muskelgruppen dauerhaft arbeiten, während andere ihre normale Funktion nur eingeschränkt erfüllen. Dadurch können weitere Spannungen entstehen. Die Myoreflextherapie versucht, solche funktionellen Zusammenhänge zu erkennen und durch gezielte manuelle Reize zu beeinflussen.
Wichtig ist dabei eine wissenschaftliche Unterscheidung: Dass Muskeln, Sinnesrezeptoren und Nervensystem eng zusammenarbeiten, ist physiologisch gut belegt. Die weitergehenden Annahmen, auf denen einzelne spezifische Behandlungstechniken der Myoreflextherapie beruhen, sind hingegen nicht in gleicher Weise wissenschaftlich abgesichert.
2. Wie läuft eine Myoreflextherapie konkret ab?
Eine Behandlung beginnt üblicherweise mit einer ausführlichen Anamnese. Der Therapeut fragt, wo Beschwerden auftreten, wie lange sie bereits bestehen, wodurch sie verstärkt oder gelindert werden und welche Auswirkungen sie auf Alltag, Schlaf und Beweglichkeit haben. Auch frühere Verletzungen, Operationen, Erkrankungen, Medikamente und bisherige Behandlungen können eine Rolle spielen.
Anschließend untersucht der Therapeut die Körperhaltung und das Bewegungsverhalten. Er kann beispielsweise beobachten, ob der Kopf nach vorn geschoben ist, die Schultern hochgezogen sind, der Oberkörper nach vorn geneigt ist oder das Becken auffällig positioniert wird. Außerdem kann er prüfen, wie weit sich der Kopf drehen lässt, wie sich der Oberkörper beim Vor- und Zurückbeugen bewegt und ob bestimmte Bewegungen Schmerzen auslösen. Solche Beobachtungen dienen dazu, ein individuelles Bild der Beschwerden zu gewinnen. Aus der Körperhaltung allein lässt sich allerdings nicht zuverlässig ableiten, welche Struktur die Ursache der Schmerzen ist.
Danach tastet der Therapeut bestimmte Muskelgruppen und deren Ansatzbereiche ab. Muskelansätze sind die Stellen, an denen Muskeln über Sehnen oder andere Bindegewebsstrukturen mit Knochen verbunden sind. Je nach Beschwerdebild können Bereiche am Hinterkopf, am Nacken, an den Schulterblättern, am Rücken, am Becken oder an den Beinen untersucht werden. Dabei achtet der Therapeut auf die Empfindlichkeit des Gewebes, die Reaktion auf Druck und mögliche Unterschiede zwischen der linken und rechten Körperseite.
Im eigentlichen Behandlungsschritt setzt er einen gezielten Druckreiz an ausgewählten Punkten. Dieser Druck wird normalerweise langsam aufgebaut und an die Reaktion des Patienten angepasst. Es geht nicht darum, möglichst kräftig auf einen schmerzenden Muskel zu drücken, sondern einen geeigneten Reiz zu setzen, der die Muskelaktivität und die Wahrnehmung des behandelten Bereichs beeinflussen soll. Je nach Technik kann der Patient gleichzeitig aufgefordert werden, eine bestimmte Bewegung auszuführen oder einen Muskel kontrolliert anzuspannen.
Die Behandlung kann sich dabei über mehrere Körperregionen erstrecken. Bei Nackenbeschwerden werden beispielsweise nicht zwangsläufig nur die Nackenmuskeln behandelt. Der Therapeut kann auch die Schulterregion, den Brustkorb oder andere Bereiche berücksichtigen, sofern sich bei der Untersuchung funktionelle Zusammenhänge zeigen. Bei einem nach vorn geneigten Oberkörper können unter anderem die Beweglichkeit des Brustkorbs, die Schulterstellung, die Hüftbeweglichkeit und die Funktion der Rücken- und Bauchmuskulatur relevant sein.
Nach der manuellen Behandlung wird häufig erneut überprüft, ob sich die Beweglichkeit verändert hat, ob der Patient sich leichter aufrichten kann oder ob die zuvor schmerzhafte Bewegung angenehmer geworden ist. Diese unmittelbare Nachkontrolle ermöglicht es, Veränderungen festzustellen und die weitere Behandlung daran auszurichten. Eine einzelne Sitzung kann je nach Therapeut und Beschwerdebild unterschiedlich lange dauern; auch die Zahl der erforderlichen Sitzungen lässt sich nicht allgemein festlegen.
3. Was geschieht während der Behandlung im Körper?
Die Wirkung lässt sich am besten verstehen, wenn man zwischen mechanischen, neurologischen und psychologischen Einflussfaktoren unterscheidet.
Zunächst wirkt der Druck mechanisch auf Haut, Bindegewebe und die darunterliegenden Strukturen. Gleichzeitig werden Sinnesrezeptoren aktiviert, die Informationen über Druck, Berührung und Gewebespannung an das Nervensystem weiterleiten. Diese Informationen können die Verarbeitung von Schmerzreizen und die Steuerung der Muskulatur beeinflussen.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die sogenannte sensomotorische Regulation. Damit ist das Zusammenspiel zwischen Sinneswahrnehmung und Bewegung gemeint. Das Gehirn verarbeitet fortlaufend Informationen darüber, wie ein Körperteil positioniert ist und wie viel Kraft eine Bewegung erfordert. Ein gezielter manueller Reiz kann diese Wahrnehmung kurzfristig verändern. Dadurch kann sich eine Bewegung flüssiger anfühlen oder eine zuvor schmerzhafte Bewegung leichter möglich werden.
Auch die Schmerzverarbeitung selbst ist von Bedeutung. Schmerzen entstehen nicht ausschließlich durch die mechanische Reizung einer bestimmten Körperstruktur. Sie werden im Nervensystem verarbeitet und können unter anderem durch Stress, Angst, Schlafmangel, frühere Schmerzerfahrungen und die Erwartung einer Bewegung beeinflusst werden. Berührung, eine sichere therapeutische Umgebung und eine positive Behandlungserfahrung können dazu beitragen, dass Schmerzen vorübergehend abnehmen.
Dabei ist wichtig, zwischen einer Verringerung der Muskelspannung und einer tatsächlichen Veränderung der Gewebestruktur zu unterscheiden. Wenn sich ein Muskel nach der Behandlung weicher anfühlt oder eine Bewegung leichter fällt, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass ein zuvor verkürzter Muskel anatomisch verlängert wurde. Häufiger handelt es sich um eine Veränderung der Muskelaktivität, der Schmerzwahrnehmung oder des Bewegungsverhaltens.
Die Myoreflextherapie interpretiert solche Reaktionen innerhalb ihres eigenen Behandlungskonzepts als Hinweise auf eine verbesserte Regulation des muskulären Systems. Die zugrunde liegenden allgemeinen physiologischen Mechanismen sind plausibel. Nicht ausreichend geklärt ist jedoch, in welchem Umfang gerade die spezifischen Techniken der Myoreflextherapie über unspezifische Wirkungen manueller Behandlung hinaus einen zusätzlichen Nutzen haben.
4. Warum kann sich die Körperhaltung unmittelbar verbessern?
Eine sichtbare Veränderung der Körperhaltung nach einer Behandlung kann durchaus bedeutsam sein. Sie bedeutet zunächst, dass die Person ihre Haltung in diesem Moment anders einnehmen kann. Das ist insbesondere dann interessant, wenn sie vorher über Schmerzen, Steifigkeit oder ein Gefühl der körperlichen Anspannung geklagt hat.
Eine nach vorn geneigte Haltung kann unterschiedliche Ursachen haben. Dazu gehören beispielsweise eine eingeschränkte Beweglichkeit der Wirbelsäule oder der Hüften, Schmerzen, eine verringerte Kraft der Rumpfmuskulatur, Gleichgewichtsstörungen oder strukturelle Veränderungen der Wirbelsäule. Hinzu kommen eingeübte Bewegungsmuster, die der Körper über Jahre entwickelt hat.
Wenn die Haltung nach einer manuellen Behandlung aufrechter wird, kann dies darauf hindeuten, dass ein Teil der Einschränkung funktionell und nicht vollständig durch eine starre strukturelle Veränderung bedingt ist. Der Patient kann möglicherweise bestimmte Muskelgruppen besser entspannen, die Beweglichkeit besser nutzen oder eine zuvor vermiedene Position wieder einnehmen.
Allerdings darf eine solche Beobachtung nicht überinterpretiert werden. Eine unmittelbar aufrechtere Haltung beweist weder, dass alle beteiligten Muskeln zuvor krankhaft verspannt waren, noch dass die Ursache der Fehlhaltung vollständig beseitigt wurde. Ebenso ist nicht garantiert, dass die Veränderung dauerhaft bestehen bleibt. Bei einer ausgeprägten strukturellen Kyphose, beispielsweise infolge von Wirbelkörperveränderungen, lässt sich die knöcherne Form der Wirbelsäule durch manuelle Drucktechniken nicht einfach korrigieren.
Für die Beurteilung ist deshalb entscheidend, ob sich die Veränderung nicht nur im Behandlungsraum zeigt, sondern auch beim Gehen, Stehen, Drehen des Kopfes und bei alltäglichen Tätigkeiten bemerkbar macht. Besonders aussagekräftig ist es, wenn eine Verbesserung über mehrere Tage anhält und sich wiederholt beobachten lässt.
5. Welche Wirkung kann die Myoreflextherapie auf Schmerzen haben?
Schmerzen sind einer der häufigsten Gründe für eine Behandlung. Bei muskulär mitbedingten Rücken-, Nacken- und Schulterschmerzen kann eine manuelle Therapie kurzfristig Erleichterung verschaffen. Dazu können eine veränderte Muskelaktivität, eine bessere Beweglichkeit, eine geringere Empfindlichkeit gegenüber Druck und eine veränderte Schmerzverarbeitung beitragen.
Bei Nackenschmerzen kann sich beispielsweise die Drehbewegung des Kopfes verbessern. Bei Rückenschmerzen kann es leichter werden, sich aufzurichten oder nach längerem Sitzen wieder in Bewegung zu kommen. Bei einer ausgeprägten muskulären Schutzspannung kann der Patient das Gefühl bekommen, nicht mehr ständig gegen den eigenen Körper arbeiten zu müssen.
Die Stärke und Dauer der Wirkung sind individuell verschieden. Manche Menschen verspüren unmittelbar eine deutliche Verbesserung, andere bemerken nur eine geringe Veränderung oder reagieren zunächst mit vorübergehender Druckempfindlichkeit. Eine Besserung nach der ersten Sitzung ist möglich, aber nicht bei jedem Patienten zu erwarten.
Außerdem muss berücksichtigt werden, dass Schmerzen nicht immer hauptsächlich durch Muskelspannung verursacht werden. Sie können beispielsweise durch Arthrose, Bandscheibenerkrankungen, Nervenkompressionen, entzündliche Erkrankungen oder andere Ursachen entstehen. In solchen Fällen kann die Myoreflextherapie allenfalls einen Teil der Beschwerden beeinflussen. Sie ersetzt weder die notwendige Diagnostik noch eine gezielte Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung.
6. Welche Rolle spielen Stress und psychische Anspannung?
Ein interessanter Aspekt der Myoreflextherapie ist der mögliche Zusammenhang zwischen körperlicher Spannung und psychischer Belastung. Viele Menschen reagieren auf Stress mit einer erhöhten Muskelaktivität. Sie ziehen beispielsweise die Schultern hoch, pressen den Kiefer zusammen, halten den Atem an oder spannen unbewusst den Bauch und den Rücken an.
Wird dieser Zustand über längere Zeit aufrechterhalten, kann daraus ein Kreislauf entstehen: Die erhöhte Muskelaktivität begünstigt Beschwerden, die Beschwerden verstärken die Anspannung, und die Anspannung kann wiederum die Schmerzempfindlichkeit erhöhen. Schlechter Schlaf, Sorgen und Bewegungsvermeidung können diesen Kreislauf zusätzlich verstärken.
Während einer ruhigen manuellen Behandlung können sich manche Menschen körperlich und emotional entspannen. Sie nehmen ihren Körper bewusster wahr, atmen ruhiger und empfinden weniger innere Unruhe. Die Behandlung kann dadurch als wohltuend und entlastend erlebt werden.
Es wäre jedoch wissenschaftlich nicht gerechtfertigt, jede solche Veränderung als spezifischen Reflexeffekt der Myoreflextherapie zu erklären. Auch andere manuelle Therapien, eine vertrauensvolle therapeutische Beziehung, bewusste Atmung und die allgemeine Entspannung können ähnliche Effekte hervorrufen.
Ebenso ist die Myoreflextherapie keine eigenständige Behandlung psychischer Erkrankungen. Bei ausgeprägten Angstzuständen, Depressionen oder anhaltenden Schlafstörungen sollte sie gegebenenfalls ergänzend, aber nicht als Ersatz für eine angemessene psychotherapeutische oder medizinische Behandlung eingesetzt werden.
7. Kann die Myoreflextherapie auch den Schlaf verbessern?
Eine Verbesserung des Schlafs ist denkbar, wenn Schmerzen, körperliche Unruhe oder eine erhöhte Muskelspannung das Einschlafen und Durchschlafen erschweren. Wer nach einer Behandlung weniger Schmerzen verspürt und sich körperlich entspannter fühlt, kann möglicherweise leichter einschlafen und nachts seltener durch Beschwerden aufwachen.
Eine solche Wirkung sollte allerdings von der Behandlung eines eigenständigen Schlafproblems unterschieden werden. Bei chronischer Schlaflosigkeit können unter anderem ungünstige Schlafgewohnheiten, Medikamente, psychische Belastungen, Schlafapnoe oder andere Erkrankungen beteiligt sein.
Wenn sich der Schlaf nach einer Myoreflextherapie verbessert, ist das ein erfreuliches Ergebnis. Für die Beurteilung sollte man aber beobachten, ob die Verbesserung über mehrere Nächte anhält und ob sich auch die Tagesbefindlichkeit verändert. Eine einzelne besonders gute Nacht reicht nicht aus, um eine dauerhafte Wirkung anzunehmen.
8. Wie viele Behandlungen sind erforderlich?
Die Zahl der erforderlichen Sitzungen hängt von der Art und Dauer der Beschwerden, dem körperlichen Zustand und dem individuellen Behandlungserfolg ab. Bei manchen Patienten tritt eine deutliche Veränderung bereits nach der ersten Behandlung auf. Bei anderen sind mehrere Sitzungen notwendig, bevor sich ein verlässlicher Trend erkennen lässt.
Sinnvoll ist es, zu Beginn konkrete Behandlungsziele festzulegen. Das können beispielsweise eine bessere Aufrichtung des Oberkörpers, eine größere Beweglichkeit des Kopfes, weniger Rückenschmerzen beim Stehen oder eine verbesserte Gehfähigkeit sein.
Nach den ersten Sitzungen sollte überprüft werden, ob diese Ziele tatsächlich erreicht werden und ob die Wirkung zwischen den Terminen anhält. Bleibt eine Verbesserung aus oder verschlechtern sich die Beschwerden, sollte das Behandlungskonzept überprüft werden. Eine unbegrenzt fortgesetzte Behandlung ohne nachvollziehbaren Nutzen ist nicht sinnvoll.
Gerade bei chronischen Beschwerden ist außerdem zu berücksichtigen, dass der Körper Bewegungsgewohnheiten über Jahre entwickelt hat. Selbst wenn eine manuelle Behandlung kurzfristig eine günstigere Haltung ermöglicht, muss diese Haltung nicht automatisch zur neuen Gewohnheit werden. Dafür sind häufig zusätzliche aktive Übungen erforderlich.
9. Welche Risiken und Grenzen hat die Behandlung?
Die Myoreflextherapie ist bei sachgerechter Durchführung grundsätzlich eine nichtoperative Behandlungsmethode. Trotzdem ist sie nicht völlig risikofrei. Durch den Druck können vorübergehend Druckempfindlichkeit, Muskelkater oder eine kurzfristige Verstärkung der Beschwerden entstehen.
Besondere Vorsicht ist bei Menschen mit erhöhter Blutungsneigung, gerinnungshemmenden Medikamenten, ausgeprägter Osteoporose, frischen Verletzungen, akuten Entzündungen oder bestimmten neurologischen Erkrankungen erforderlich. Bei diesen Personen muss der Therapeut die Behandlungstechnik und die Druckstärke entsprechend anpassen. Bei einer ausgeprägten Osteoporose sollten insbesondere kräftige Drucktechniken an der Wirbelsäule vermieden werden.
Neue, starke oder ungeklärte Schmerzen sollten zunächst medizinisch abgeklärt werden. Das gilt insbesondere bei plötzlich auftretenden Lähmungen, deutlichen Gefühlsstörungen, Problemen mit der Blasen- oder Darmkontrolle, Fieber in Verbindung mit Rückenschmerzen oder Schmerzen nach einem Sturz. Solche Symptome dürfen nicht einfach als muskuläre Verspannungen behandelt werden.
Auch bei chronischen Erkrankungen sollte die Therapie in ein sinnvolles Gesamtkonzept eingebettet sein. Manuelle Behandlung kann Beschwerden lindern, aber beispielsweise eine ausgeprägte Muskelschwäche, eine fortschreitende neurologische Erkrankung oder eine strukturelle Veränderung der Wirbelsäule nicht allein beheben.
10. Wie gut ist die Wirksamkeit wissenschaftlich belegt?
Hier ist eine differenzierte Betrachtung erforderlich. Es gibt wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, dass manuelle Therapie bei bestimmten muskuloskelettalen Beschwerden kurzfristig Schmerzen reduzieren und die Beweglichkeit verbessern kann. Auch die Bedeutung von Muskelaktivität, sensorischer Rückmeldung und zentraler Schmerzverarbeitung ist gut untersucht.
Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass die Myoreflextherapie als eigenständiges Verfahren wissenschaftlich umfassend bestätigt ist. Dafür wären hochwertige klinische Studien erforderlich, die ausreichend große Patientengruppen untersuchen, geeignete Vergleichsbehandlungen einbeziehen und nicht nur unmittelbare, sondern auch längerfristige Ergebnisse erfassen.
Insbesondere müsste geklärt werden, ob die spezifischen Drucktechniken der Myoreflextherapie gegenüber anderen manuellen Behandlungen einen zusätzlichen Nutzen bieten, bei welchen Beschwerden sie am besten helfen und wie lange die erzielten Verbesserungen anhalten.
Die spezifische wissenschaftliche Evidenz ist bislang begrenzt. Deshalb sollte man weder behaupten, die Methode sei wirkungslos, noch aus einzelnen beeindruckenden Behandlungsergebnissen ableiten, ihre besondere Wirkungsweise sei bereits zweifelsfrei bewiesen.
Entscheidend ist letztlich, ob bei einem konkreten Patienten ein reproduzierbarer, anhaltender und alltagsrelevanter Nutzen entsteht.
11. Warum die Kombination mit aktiver Bewegung besonders sinnvoll ist
Eine manuelle Behandlung kann eine gute Gelegenheit schaffen, Bewegungen wieder leichter auszuführen. Damit aus einer kurzfristigen Verbesserung ein dauerhafterer funktioneller Gewinn wird, sollte die gewonnene Beweglichkeit möglichst aktiv genutzt werden.
Hierzu können individuell angepasste Kraftübungen, Gleichgewichtstraining, Mobilisationsübungen und regelmäßige Bewegung im Alltag gehören. Welche Übungen geeignet sind, hängt vom jeweiligen Befund ab.
Wenn ein Patient beispielsweise nach der Behandlung den Oberkörper besser aufrichten kann, sollte anschließend geprüft werden, ob er diese Position auch beim Stehen und Gehen einnehmen kann. Gegebenenfalls sind Übungen zur Rumpfkraft, zur Beweglichkeit des Brustkorbs und zur Stabilität des Beckens sinnvoll. Bei Gleichgewichtsproblemen müssen zusätzlich sichere Bewegungsabläufe trainiert werden.
Die manuelle Therapie und das aktive Training erfüllen dabei unterschiedliche Aufgaben. Die manuelle Behandlung kann Beschwerden lindern und den Zugang zu bestimmten Bewegungen erleichtern. Das aktive Training verbessert dagegen gezielt Kraft, Ausdauer, Koordination und die Fähigkeit, Bewegungen selbstständig auszuführen.
Gerade bei länger bestehenden Beschwerden ist diese Kombination häufig sinnvoller, als ausschließlich auf passive Behandlungen zu setzen.
12. Wie lässt sich der Erfolg einer Behandlung objektiv beurteilen?
Bei der Beurteilung sollte man zwischen drei Ebenen unterscheiden: der unmittelbaren Reaktion, der anhaltenden Veränderung und dem funktionellen Nutzen im Alltag.
Unmittelbar nach der Behandlung kann man beobachten, ob sich die Körperhaltung verändert, bestimmte Bewegungen leichter fallen oder Schmerzen nachlassen. Solche Beobachtungen sind wertvoll, sollten aber möglichst unter vergleichbaren Bedingungen vor und nach der Behandlung erhoben werden.
In den folgenden Tagen ist entscheidend, ob die Veränderung bestehen bleibt. Kann sich der Patient weiterhin leichter aufrichten? Ist das Gehen angenehmer? Werden alltägliche Tätigkeiten weniger anstrengend? Hat sich der Schlaf verbessert? Diese Fragen geben mehr Aufschluss über den tatsächlichen Nutzen als allein der Eindruck direkt nach der Sitzung.
Nach mehreren Sitzungen lässt sich schließlich beurteilen, ob sich ein stabiler Fortschritt entwickelt. Hilfreich sind dabei einfache, wiederholbare Kriterien, beispielsweise die Beweglichkeit des Kopfes, die Dauer des schmerzarmen Stehens oder die Gehstrecke bis zur ersten Pause. Bei Bedarf können standardisierte Schmerz- und Funktionsfragebögen eingesetzt werden.
Dabei sollte auch berücksichtigt werden, ob andere Faktoren die Veränderung beeinflussen, etwa Medikamente, Bewegung, Schlaf oder die natürliche Schwankung der Beschwerden.
Fazit
Die Myoreflextherapie ist ein von Dr. med. Kurt Mosetter entwickeltes manuelles Behandlungskonzept, bei dem gezielte Druckreize an ausgewählten Muskelansatzbereichen eingesetzt werden, um Muskelaktivität, Schmerzverarbeitung und Bewegungssteuerung zu beeinflussen. Sie beruht auf der Erkenntnis, dass Muskulatur und Nervensystem eng zusammenarbeiten und dass Beschwerden häufig durch mehrere miteinander verbundene Faktoren beeinflusst werden.
Eine unmittelbare Verbesserung von Haltung, Beweglichkeit und subjektivem Wohlbefinden ist durchaus möglich. Sie sollte jedoch nicht automatisch als Beweis für eine dauerhafte Korrektur der zugrunde liegenden Ursache verstanden werden. Wie nachhaltig die Wirkung ist, muss sich im Alltag zeigen.
Der entscheidende Maßstab ist deshalb nicht allein, wie verändert ein Mensch unmittelbar nach der Behandlung aussieht oder sich fühlt, sondern ob er sich anschließend über längere Zeit besser bewegen kann, weniger Schmerzen hat und seinen Alltag leichter bewältigt. In Verbindung mit gezieltem Bewegungstraining kann die Myoreflextherapie für manche Menschen eine sinnvolle Ergänzung der Behandlung muskuloskelettaler Beschwerden sein.
Weitere Informationen: https://mosetter.de/
