Burnout ist ein ernsthaftes Gesundheitsproblem, das Millionen von Menschen auf der ganzen Welt betrifft. Allein in Deutschland waren im Jahr 2021 mindestens 194.000 Menschen von Burnout betroffen. Bereits im Jahr 2018 fühlte sich laut einer Umfrage jeder zweite Bundesbürger von Burnout bedroht. Das Burnout-Syndrom entwickelt sich zur Volkskrankheit, deren Verlauf oft in unterschiedlichen Phasen beschrieben wird. Die 12 Phasen des Burnouts nach Freudenberger wurden von dem Psychoanalytiker Herbert Freudenberger und seiner Kollegin Gail North entwickelt. Es wurde erstmals in den 1970er Jahren vorgestellt und hat seitdem maßgeblich zur Erforschung des Burnout-Syndroms beigetragen.
Phase 1: Diese erste Burnout-Phase ist insgesamt von Perfektionismus geprägt. Betroffene wollen sich selbst beweisen, haben erhöhte Erwartungen an sich selbst und Angst dabei zu versagen. Sie übersehen bereits eigene Grenzen und stellen eigene Bedürfnisse hinten an.
Phase 2: Aufbauend auf Phase 1 manifestiert sich der Perfektionismus in der Bereitschaft, freiwillige und unbezahlte Mehrarbeit zu leisten. Betroffene haben das Gefühl, alles allein und schnell machen zu müssen. Das Abgeben von Aufgaben fällt schwer.
Phase 3: Betroffene empfinden den Zustand der Überarbeitung als normal oder positiv. Sie vernachlässigen zunehmend ihre eigenen Bedürfnisse. Der Lebensstil wird insgesamt ungesünder (Schlafstörungen, Mehrkonsum von Kaffee, Einnahme von Aufputschmitteln oder Zigarettenkonsum). Erste Fehler bei der Arbeit schleichen sich ein.
Phase 4: Es können zunehmend Konflikte mit dem Arbeitskollegen/der Arbeitskollegin oder dem Partner/der Partnerin aufkommen, wobei diese ebenso wie erste körperliche oder psychosomatische Symptome verdrängt werden. Fehlleistungen wie das Vergessen von Terminen oder das Erledigen von zuvor versprochenen Aufgaben häufen sich.
Phase 5: Die Wahrnehmung der Betroffenen verändert sich. Sie zeigt sich in verminderter Empathie und der Vernachlässigung von Freunden und Familie. Die volle Aufmerksamkeit ist auf die Arbeit gerichtet und Hobbys werden aufgegeben.
Phase 6: Betroffene haben ein Gefühl der mangelnden Anerkennung. Sie werden zynischer und aggressiver im Umgang. Sie beginnen sich zu isolieren, während ihre Leistungsfähigkeit nachlässt. Körperliche Beschwerden nehmen zu.
Phase 7: Soziale Kontakte wie Freunde und Familie werden als Belastung empfunden. Betroffene fühlen sich orientierungs- und hoffnungslos und fokussieren sich stattdessen auf Ersatzbefriedigungen (Essen, Alkohol, Drogen, Spielen, Sex). Da Betroffene keine Kraft mehr haben, heißt es auf Arbeit nur noch Dienst nach Vorschrift. Diese Phase zeigt sich zudem in zunehmend psychosomatischen und körperlichen Symptomen, wie Gewichtsveränderungen, Herzklopfen oder Bluthochdruck.
Phase 8: Der soziale Rückzug schreitet voran und Betroffene verfallen in Selbstmitleid und Einsamkeit. Gleichzeitig werden sie gleichgültiger und misstrauisch gegenüber anderen. Zuwendungen werden als Angriff erlebt. Die Arbeit stellt eine große Belastung dar, bei der die Betroffenen häufiger Ausflüchte suchen.
Phase 9: Betroffene erleben in dieser Phase zunehmend das Gefühl, nicht sie selbst zu sein. Sie fühlen sich leer und wie „Maschinen, die funktionieren müssen“. Seelische und körperliche Beschwerden treten verstärkt auf und können sich in Magen-Darm-Problemen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, aber auch in mangelnder Körperhygiene zeigen.
Phase 10: Diese Phase ist gekennzeichnet durch Gefühle von innerer Leere, Mutlosigkeit und Ängsten. Betroffene können Phobien entwickeln und unter Panikattacken leiden.
Phase 11: Betroffene sind ständig erschöpft, empfinden Selbsthass und Verzweiflung. Dieser Zustand kann mit Suizidgedanken einhergehen.
Phase 12: In der letzten Phase der Burnout-Stadien nimmt die geistige, körperliche und emotionale Erschöpfung ein lebensbedrohliches Ausmaß an. Suizidalität und Selbstmordgedanken beherrschen den Alltag der Betroffenen. In dieser Phase ist schnelles Handeln erforderlich.
Ein Burnout ist ein ernstes Problem, das nicht ignoriert werden sollte. Wenn du dich ausgebrannt fühlst, ist es wichtig, sofort Maßnahmen zu ergreifen, um deine Gesundheit und dein Wohlbefinden zu schützen. Hier sind einige Schritte, die du unternehmen kannst:
- Erkennen und Akzeptieren: Akzeptiere, dass du möglicherweise einen Burnout hast. Die Anerkennung des Problems ist der erste Schritt zur Heilung.
- Sprich mit jemandem: Suche das Gespräch mit Freunden, Familie oder einem Therapeuten. Manchmal kann es sehr hilfreich sein, einfach darüber zu sprechen.
- Suche professionelle Hilfe: Ein Therapeut oder Psychologe kann dir helfen, die Ursachen des Burnouts zu identifizieren und Strategien zu entwickeln, um damit umzugehen.
- Reduziere Stressfaktoren: Überlege, welche Aspekte deines Lebens zu deinem Stress beitragen, und versuche, diese zu reduzieren oder zu eliminieren.
- Nimm dir eine Auszeit: Wenn möglich, nimm dir eine Auszeit von der Arbeit oder deinen täglichen Verpflichtungen, um dich zu erholen.
- Sorge für ausreichend Schlaf: Schlaf ist entscheidend für die Erholung des Körpers und Geistes. Stelle sicher, dass du genügend und erholsamen Schlaf bekommst.
- Gesunde Ernährung und Bewegung: Achte auf eine ausgewogene Ernährung und baue regelmäßige Bewegung in deinen Alltag ein. Beides kann helfen, deine Energie und dein Wohlbefinden zu verbessern.
- Setze klare Grenzen: Lerne, „Nein“ zu sagen und setze Grenzen, um dich vor Überforderung zu schützen.
- Entspannungsübungen: Techniken wie Meditation, Atemübungen, Yoga oder progressive Muskelentspannung können helfen, Stress abzubauen.
- Langfristige Veränderungen: Überlege, ob du langfristige Veränderungen in deinem Lebensstil oder in deiner Arbeit vornehmen musst, um zukünftige Burnouts zu vermeiden.
- Geduld haben: Die Erholung von einem Burnout kann Zeit in Anspruch nehmen. Sei geduldig mit dir selbst und setze dich nicht unter Druck, schnell wieder „funktionieren“ zu müssen.
Wenn du das Gefühl hast, dass der Burnout sehr schwerwiegend ist, solltest du unbedingt professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Burnout ist eine ernste Erkrankung, die nicht unterschätzt werden sollte.
