Einsamkeit ist ein subjektives Gefühl, das entsteht, wenn Menschen das Bedürfnis nach sozialen Kontakten und Nähe nicht ausreichend erfüllt sehen. Es handelt sich nicht unbedingt um ein tatsächliches Alleinsein, sondern vielmehr um das Empfinden von Isolation, Leere oder mangelnder Verbundenheit mit anderen. Einsamkeit kann kurzzeitig auftreten, aber auch chronisch werden und ernsthafte psychische und körperliche Auswirkungen haben.
Eine kürzlich veröffentlichte Untersuchung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung, kurz BiB, hat ergeben: Gut jeder dritte Erwachsene zwischen 18 und 53 Jahren fühlt sich mindestens teilweise einsam. Bei den Menschen unter 30 sind es 44 Prozent. Frauen sind eher emotional und Männer häufiger sozial einsam.
Während der Pandemie, in Zeiten von Abstandsregeln und Lockdowns, ist die Quote der einsamen Menschen sprunghaft gestiegen. Von knapp 15 Prozent im Jahr 2017 auf fast 47 Prozent vier Jahre später. Obwohl der Anteil wieder gefallen ist, besteht die Einsamkeit nach Analyse des BiB auf hohem Niveau fort. Ein Long Covid der Seele. Experten erkennen auch die Tendenz, dass das Gefühl intensiver wird: Inzwischen fühlen sich 17 Prozent der Menschen sehr einsam.
Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen bilden die neue Risikogruppe. Die Coronajahre haben sie enorm belastet und prägen sie anscheinend bis jetzt. In einer Umfrage der Bertelsmann-Stiftung gaben rund zehn Prozent der 16- bis 30-Jährigen an, sehr einsam zu sein. Weitere 35 Prozent fühlten sich moderat einsam. Es kam heraus, dass junge Menschen in der Stadt einsamer sind als jene, die auf dem Land leben.
Alleinerziehende, Erwerbslose und Singles sind besonders gefährdet, einsam zu werden. Außerdem Schwerkranke, queere Menschen und Menschen mit Migrationserfahrung oder niedriger Bildung. Studien belegen, dass einsame Menschen öfter rauchen, mehr trinken, schlechter schlafen, sich weniger bewegen.
Jeder ist manchmal für eine Weile einsam, nach einer Trennung, einem Umzug, auf einer Dienstreise. Das ist nicht bedenklich, sondern menschlich. Doch wenn die Einsamkeit anhält, wenn man sie nicht besiegt, kann sie gesundheitliche und gesellschaftliche Folgen haben: Studien belegen, dass einsame Menschen öfter rauchen, mehr trinken, schlechter schlafen, sich weniger bewegen. Einsamkeit fördert Diabetes, Bluthochdruck, problematisches Essverhalten, Schlaganfälle und koronare Herzerkrankungen. Forscher haben berechnet, dass Einsamkeit so schädlich ist, wie 15 Zigaretten am Tag zu rauchen. Die Sterblichkeit steigt.
Wer einsam ist, leistet bei der Arbeit weniger, ist unzufriedener und meldet sich öfter krank. Fachleute schätzen, dass die Wirtschaft in den USA wegen der Fehltage jedes Jahr 154 Milliarden Dollar verliert.
Zwischen Einsamkeit und Depressionen besteht eine Wechselwirkung. Einsame Menschen gehen seltener wählen und engagieren sich weniger. Offenbar auf der Suche nach Zugehörigkeit glauben einsame Jugendliche eher an Verschwörungserzählungen und sind empfänglicher für autoritäre Haltungen. Sie stimmten in einer Umfrage häufiger der Behauptung zu, dass es einige Politiker »verdient haben, wenn die Wut gegen sie auch schon mal in Gewalt umschlägt«. Die Autorinnen der Studie warnen, dass Einsamkeit ein »demokratiegefährdendes Potenzial« berge.
Von einer »Epidemie der Einsamkeit« ist die Rede, von einer »stillen Epidemie«. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst bezeichnet Einsamkeit als »die neue soziale Frage unserer Zeit« und lud zu einer »Einsamkeitskonferenz« in die Staatskanzlei nach Düsseldorf, um auf das Phänomen hinzuweisen. Die Bundesregierung hat einen 33-seitigen Katalog mit Maßnahmen gegen Einsamkeit beschlossen. Der Deutsche Ethikrat diskutierte auf seiner Jahrestagung über Einsamkeit als »existenzielle Erfahrung und gesellschaftliche Herausforderung«. Wohl kein anderes Gefühl wird gerade so aufmerksam betrachtet wie die Einsamkeit.
1. Arten von Einsamkeit:
Emotionale Einsamkeit: Das Gefühl, keine enge, vertraute Beziehung zu haben. Dies tritt oft auf, wenn jemand den Verlust eines wichtigen Menschen (z.B. durch Tod, Trennung) erlebt.
Soziale Einsamkeit: Das Empfinden, keinen oder nur unzureichenden Zugang zu einem sozialen Netzwerk oder Freundeskreis zu haben. Auch wenn man von Menschen umgeben ist, kann man sich sozial einsam fühlen, wenn die Verbindungen nicht tiefgehend sind.
2. Ursachen von Einsamkeit:
Lebensereignisse: Umzüge, Verlust von geliebten Menschen, Trennungen oder der Beginn eines neuen Lebensabschnitts können Einsamkeit auslösen.
Psychische Erkrankungen: Depressionen oder Angststörungen können dazu führen, dass man sich isoliert und einsam fühlt.
Gesellschaftliche Faktoren: Zunehmende Individualisierung, Digitalisierung und weniger direkte soziale Interaktionen tragen in der modernen Gesellschaft zur Einsamkeit bei.
Alter: Besonders ältere Menschen sind häufig von Einsamkeit betroffen, wenn soziale Kontakte durch den Verlust von Partnern, Freunden oder körperliche Einschränkungen abnehmen.
3. Auswirkungen von Einsamkeit:
Psychische Gesundheit: Chronische Einsamkeit kann zu Depressionen, Angstzuständen und einem verminderten Selbstwertgefühl führen.
Körperliche Gesundheit: Einsamkeit ist mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, einem geschwächten Immunsystem und einer höheren Sterblichkeitsrate verbunden.
Kognitive Fähigkeiten: Lang anhaltende Einsamkeit kann das Risiko für kognitive Beeinträchtigungen und Demenz erhöhen.
4. Was kann man gegen Einsamkeit tun?
Soziale Kontakte pflegen: Bemühen Sie sich aktiv um den Aufbau und die Pflege sozialer Beziehungen. Dies kann durch regelmäßige Treffen mit Freunden, die Teilnahme an sozialen Gruppen oder das Pflegen von Familienbeziehungen geschehen.
Neue Kontakte knüpfen: Gehen Sie Hobbys oder Interessen nach, bei denen Sie auf andere Menschen treffen können. Vereine, Kurse oder ehrenamtliches Engagement bieten gute Gelegenheiten, neue Kontakte zu knüpfen.
Digitale Verbindungen: Nutzen Sie digitale Kommunikationsmöglichkeiten, um mit Freunden und Familie in Kontakt zu bleiben, insbesondere wenn persönliche Treffen schwierig sind.
Professionelle Hilfe suchen: Bei anhaltender Einsamkeit kann es hilfreich sein, therapeutische Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Psychologen oder Berater können helfen, die Ursachen zu erforschen und Bewältigungsstrategien zu entwickeln.
Achtsamkeit und Selbstfürsorge: Üben Sie Achtsamkeit und lernen Sie, Ihre eigenen Bedürfnisse besser wahrzunehmen und zu erfüllen. Dies kann helfen, das Gefühl der Einsamkeit zu lindern.
Tierbegleitung: Haustiere, insbesondere Hunde oder Katzen, können eine wertvolle Quelle von Gesellschaft und emotionaler Unterstützung sein.
Akzeptanz und positive Einstellung: Akzeptieren Sie, dass es Phasen der Einsamkeit geben kann, und arbeiten Sie daran, eine positive Einstellung zu bewahren. Manchmal kann Einsamkeit auch als Zeit für Selbstreflexion und persönliches Wachstum genutzt werden.
Einsamkeit ist ein weit verbreitetes Phänomen, das viele Menschen irgendwann in ihrem Leben betrifft. Indem man aktiv Schritte unternimmt, um soziale Verbindungen zu stärken und auf die eigene psychische Gesundheit zu achten, kann man dieses Gefühl überwinden oder zumindest lindern.
