Panikattacken sind plötzliche, intensive Angst- oder Unruhezustände, die oft ohne ersichtlichen Grund auftreten. Diese Attacken sind von körperlichen Symptomen begleitet, die so stark sein können, dass Betroffene das Gefühl haben, die Kontrolle zu verlieren, verrückt zu werden oder einen Herzinfarkt zu erleiden. Obwohl Panikattacken äußerst beängstigend sind, sind sie in der Regel nicht gefährlich. Die körperlichen Beschwerden einer Panikattacke werden durch die Adrenalinausschüttung über das Sympathische Nervensystem verursacht. Dadurch wird der Körper in einen extremen Alarmzustand versetzt, deren Energien aber nicht funktionsgerecht (ab)fließen können. Es entsteht ein enormer Energiestau mit nachstehenden Symptomen:
- Herzklopfen und Herzrasen beschleunigt sich, die Pumpleistung erhöht und die Herzkranzgefäße erweitern sich. Der Blutdruck steigt. Steigender Blutdruck und Herzrasen sind ein guter Schutz vor Ohnmacht und sogar förderlich für den Körper; das Herz wird trainiert.
- Herzstolpern entsteht, wenn die Herzschläge rasch von Verlangsamen auf Beschleunigen oder umgekehrt umschalten.
- Trockener Mund rührt daher, dass man durch den Mund atmet, außerdem produziert der Körper nicht so viel Speichel, weil ihm im Augenblick die Verdauung nicht wichtig ist.
- Atemnot und Beklemmung in der Brust verspürt man durch zu schnelles Atmen; man nimmt mehr Sauerstoff auf, als man verbraucht.
- Das Engegefühl in der Brust entsteht, indem sich die Muskelspannung im Bereich der Bronchialmuskeln verändert.
- Anspannung und Zittern entstehen durch starke Anspannung der Muskeln, was auch die wackeligen und schwankenden Beine erklärt. Man fühlt sich äußerst unruhig, weil der Körper zur „vermeintlichen Gefahrenabwehr“ bereit ist. Es wird einem heiß und man schwitzt, weil der Körper sich abkühlen möchte.
- Übelkeit kommt daher, dass der Magen nicht mehr so stark durchblutet wird oder weil sich die Magenmuskulatur verkrampft.
- Schwindelgefühle entstehen, weil das Gehirn weniger stark durchblutet wird.
- Blasse Haut, kalte Hände und Füße sowie Kribbelgefühle entstehen durch Reduzierung der Durchblutung. Kribbelgefühle können auch auf das Überatmen zurückzuführen sein.
- Pupillen erweitern sich. Augenflimmern wird verursacht durch die Blutdruckerhöhung. Ohrensausen wird ausgelöst durch die erhöhte Herztätigkeit und die Verengung der kleinen Blutgefäße.
- Die Taubheitsgefühle in Fingern und Zehen können entstehen, weil das Blut von dort abgezogen und hin zu den größeren Muskelgruppen transportiert wird.
Das Blut verlagert sich vom Groß- oder Denkhirn ins Stamm- oder autonomes Hirn. Denken wird minimiert, instinktives Verhalten maximiert, was eine nützliche evolutionäre Kampf-/Flucht-Reaktion ist. Das Stammhirn regelt Atmung, Blutdruck und Reflexe und ist entwicklungsgeschichtlich die älteste Gehirnregion.
Die Panikattacke ist grundsätzlich eine gesunde Reaktion und nichts Schlimmes, gefährliches oder gar lebensbedrohliches, sondern „nur“ eine Emotion meiner Sinne und keineswegs meines eigentlichen Ichs. Es handelt sich lediglich um eine „fehlgeleitete Kampf-/Flucht-Reaktion“, deren Energie nicht (ab)fließen kann. Indem man die Panikattacke sogar ausdrücklich „begrüßt“, nimmt man sie uneingeschränkt an. Durch die Akzeptanz verliert sie an Energie und Heftigkeit, ihr wird sozusagen „der Wind aus den Segeln genommen“. Würde man sich dagegen auflehnen, würde man den Energiestau nur noch vergrößern, was die Situation aber nur noch verschlimmern würde. Neben der „Begrüßung“ der Panikattacke wird der vorerwähnte Energiestau durch eine betont langsame und tiefe Bauchatmung sowie durch maßvolle Bewegung allmählich abgebaut. Die Panikattacke ist überwunden. Es ist sehr wichtig, ruhig zu bleiben und sich bewusst zu machen, dass sie von selbst wieder abklingt.
Symptome einer Panikattacke:
- Körperliche Symptome:
- Herzrasen oder unregelmäßiger Herzschlag
- Schweißausbrüche
- Zittern oder Schüttelfrost
- Atemnot oder Erstickungsgefühle
- Schwindel oder Benommenheit
- Übelkeit oder Magenbeschwerden
- Taubheitsgefühle oder Kribbeln (z. B. in den Händen)
- Hitzewallungen oder Kälteschauer
- Schmerzen oder Engegefühl in der Brust
- Psychische Symptome:
- Intensive Angst, die Kontrolle zu verlieren oder „verrückt“ zu werden
- Todesangst
- Gefühl der Unwirklichkeit (Depersonalisation) oder Entfremdung von der Umgebung (Derealisation)
- Ursachen von Panikattacken:Die genauen Ursachen von Panikattacken sind nicht vollständig geklärt, aber mehrere Faktoren können eine Rolle spielen:
- Genetische Veranlagung: Panikstörungen können in Familien gehäuft auftreten.
- Biochemische Faktoren: Ungleichgewichte von Neurotransmittern wie Serotonin und Noradrenalin im Gehirn könnten beteiligt sein.
- Stress und Lebensereignisse: Traumatische Erlebnisse oder anhaltender Stress können Panikattacken auslösen.
- Kognitive Faktoren: Eine erhöhte Aufmerksamkeit für körperliche Symptome und deren Fehlinterpretation als bedrohlich kann eine Panikattacke auslösen.
- Behandlungsmöglichkeiten:Kognitive Verhaltenstherapie (KVT): Diese Therapieform ist besonders wirksam bei der Behandlung von Panikattacken. Betroffene lernen, ihre Angstgedanken zu hinterfragen und die körperlichen Symptome richtig zu interpretieren. Eine Technik der KVT ist die Expositionstherapie, bei der sich Betroffene schrittweise den Situationen oder Gefühlen aussetzen, die ihre Panik auslösen.
Medikamentöse Behandlung: Antidepressiva (z.B. SSRIs) und Benzodiazepine können verschrieben werden, um die Symptome zu lindern. Benzodiazepine wirken schnell, sollten jedoch nur kurzfristig angewendet werden, um Abhängigkeiten zu vermeiden.
Atem- und Entspannungstechniken: Da Hyperventilation oft ein Teil der Panikattacke ist, können Atemübungen (z.B. langsames, tiefes Atmen) helfen, die Symptome zu kontrollieren. Auch progressive Muskelentspannung oder Yoga kann zur Beruhigung beitragen.
Psychoedukation: Das Verständnis dafür, was eine Panikattacke ist und dass sie nicht gefährlich ist, kann Betroffenen helfen, die Angst vor der Angst zu reduzieren.
Lifestyle-Anpassungen: Regelmäßige Bewegung, ein geregelter Schlafrhythmus und eine ausgewogene Ernährung können das allgemeine Wohlbefinden steigern und das Risiko von Panikattacken verringern.
- Soforthilfe bei einer Panikattacke:
- Ruhig atmen: Konzentrieren Sie sich auf langsames Ein- und Ausatmen. Atmen Sie tief durch die Nase ein und langsam durch den Mund aus.
- Bodenkontakt: Machen Sie sich bewusst, dass Ihre Füße fest auf dem Boden stehen, und fokussieren Sie sich auf das Hier und Jetzt.
- Selbstgespräche: Sagen Sie sich selbst, dass die Panikattacke harmlos ist und in wenigen Minuten vorübergeht.
- Ablenkung: Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit auf etwas anderes, z.B. zählen Sie rückwärts von 100 oder schauen Sie sich in Ihrer Umgebung nach fünf Gegenständen einer bestimmten Farbe um.
- Langfristige Strategien:
- Stressmanagement: Regelmäßige Entspannungstechniken wie Meditation, Yoga oder Achtsamkeitsübungen können helfen, das Stressniveau zu senken.
- Vermeidung vermeiden: Versuchen Sie, Situationen, die Panik auslösen, nicht zu vermeiden, sondern sich ihnen schrittweise zu stellen. So lernen Sie, dass diese Situationen nicht gefährlich sind.
- Unterstützung suchen: Sprechen Sie mit einem Therapeuten oder schließen Sie sich einer Selbsthilfegruppe an. Der Austausch mit anderen Betroffenen kann sehr hilfreich sein.
Panikattacken sind zwar sehr unangenehm, aber mit der richtigen Unterstützung und den passenden Strategien können Betroffene lernen, sie zu bewältigen und ihre Lebensqualität deutlich zu verbessern.
