Der Orgasmus ist ein natürlicher Höhepunkt der menschlichen Sexualität und zugleich eines der intensivsten körperlichen und seelischen Erlebnisse, zu denen der Mensch fähig ist. Physiologisch betrachtet handelt es sich um eine komplexe Reaktion des Nervensystems, des Gehirns und des Körpers, die mit einer außerordentlichen Steigerung der sexuellen Erregung und einer anschließenden Entspannung verbunden ist. Während des Orgasmus verändern sich unter anderem Herzschlag, Atmung, Muskelspannung und die Aktivität verschiedener Botenstoffsysteme im Gehirn. Das bewusste Denken tritt häufig für einen kurzen Augenblick in den Hintergrund. Nach dem Höhepunkt folgt eine Phase tiefer Entspannung und körperlicher Erschöpfung. Doch damit ist das Phänomen des Orgasmus noch lange nicht erschöpfend beschrieben. Denn der Mensch erlebt ihn nicht lediglich als körperlichen Vorgang, sondern als einen Zustand, der sein gesamtes Bewusstsein für einen Moment verändern kann. Bemerkenswert ist, dass der Orgasmus in vielen Kulturen nicht ausschließlich mit Sexualität, sondern mit Begriffen wie Ekstase, Verschmelzung, Hingabe und Transzendenz verbunden wurde.

Die französische Sprache kennt dafür die vielsagende Bezeichnung „la petite mort“ – „der kleine Tod“. Gemeint ist damit ursprünglich der kurze Zustand der Erschöpfung und Entspannung nach dem sexuellen Höhepunkt. Der Ausdruck lässt sich jedoch auch in einem tieferen philosophischen Sinne verstehen. Denn während des Orgasmus scheint das gewöhnliche Ich für einen kurzen Augenblick seine Herrschaft zu verlieren. Die permanente Selbstkontrolle, das Nachdenken, Planen und Beobachten treten zurück. Der Mensch ist nicht mehr in erster Linie jemand, der eine Erfahrung betrachtet – er wird für einen Moment vollständig von der Erfahrung erfasst.

Gerade darin liegt eine bemerkenswerte Nähe zu dem, was Mystiker verschiedener Religionen seit Jahrtausenden als Ekstase oder Vereinigung mit dem Göttlichen beschrieben haben. Mystische Erfahrungen werden häufig als Auflösung der Grenzen zwischen dem eigenen Ich und einer umfassenderen Wirklichkeit beschrieben. Der Mensch empfindet sich nicht mehr als isoliertes Individuum, sondern als Teil einer größeren Einheit. Zeit und Raum können ihre gewohnte Bedeutung verlieren, und die Erfahrung wird als unmittelbar, überwältigend und kaum in Worte zu fassen erlebt. Der Orgasmus ist selbstverständlich keine mystische Gotteserfahrung im wissenschaftlich nachweisbaren Sinne. Dennoch besitzt er eine auffällige phänomenologische Ähnlichkeit: Auch hier kann das gewöhnliche Ich für einen kurzen Moment in den Hintergrund treten, während eine außerordentlich intensive Erfahrung des gegenwärtigen Augenblicks entsteht.

Vielleicht erklärt dies auch, weshalb Menschen während eines Orgasmus nicht selten religiös anmutende Worte verwenden. Ein spontanes „Oh Gott!“ kann natürlich einfach ein Ausdruck von Überraschung, Überwältigung oder sprachlicher Gewohnheit sein. Dennoch ist die Verbindung bemerkenswert. Wenn der Mensch an die Grenzen dessen gelangt, was er emotional und körperlich unmittelbar erfahren kann, greift seine Sprache häufig auf Begriffe zurück, die eigentlich das Transzendente bezeichnen: Gott, Himmel, Ewigkeit, Glückseligkeit oder Erlösung. Es ist, als würde die gewöhnliche Sprache nicht mehr ausreichen, um die Intensität des Augenblicks zu beschreiben.

Auch die subjektive Wahrnehmung der Zeit verdient besondere Beachtung. Unser alltägliches Bewusstsein ist fast ständig auf Vergangenheit und Zukunft ausgerichtet. Wir erinnern uns, planen, vergleichen, bewerten und erwarten. Im Orgasmus kann diese gedankliche Tätigkeit für einen kurzen Moment weitgehend zurücktreten. Der Mensch ist ganz im unmittelbaren Erleben gegenwärtig. Vergangenheit und Zukunft verlieren ihre Bedeutung; es bleibt der gegenwärtige Augenblick. In diesem Sinne könnte man den Orgasmus metaphorisch als einen „kurzen Blick in die Ewigkeit“ bezeichnen. Denn Ewigkeit bedeutet philosophisch nicht lediglich eine unendlich lange Zeit, sondern kann auch als ein Zustand verstanden werden, in dem die gewöhnliche Erfahrung von Zeit aufgehoben ist.

Damit erhält auch die Bezeichnung „kleiner Tod“ eine tiefere Bedeutung. Der Orgasmus ist natürlich nicht mit dem tatsächlichen Tod gleichzusetzen. Beim Tod endet nach gegenwärtigem naturwissenschaftlichem Verständnis das bewusste individuelle Erleben; beim Orgasmus dagegen verändert sich der Bewusstseinszustand nur vorübergehend. Dennoch kann man von einem symbolischen Tod des gewöhnlichen Ich-Zustandes sprechen. Das kontrollierende, beobachtende und planende Ich tritt für einen kurzen Augenblick zurück. Der Mensch gibt die Kontrolle auf und lässt sich vollständig auf eine Erfahrung ein. Gerade diese zeitweilige Aufgabe der Kontrolle kann als besonders befreiend erlebt werden.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch das menschliche Verlangen nach dem Orgasmus. Nach dem Höhepunkt tritt zunächst eine Phase der Sättigung und Entspannung ein. Mit der Zeit kann dieses Gefühl jedoch wieder nachlassen, und das sexuelle Verlangen kehrt zurück. Dahinter stehen komplexe neurobiologische Vorgänge. Das menschliche Gehirn verfügt über ein hochentwickeltes Belohnungssystem, an dem unter anderem Dopamin und weitere Neurotransmitter und Hormone beteiligt sind. Sexuelle Erfahrungen können deshalb eine sehr starke Belohnungswirkung besitzen. Der Mensch erinnert sich an die außergewöhnliche Intensität des Erlebnisses und kann den Wunsch entwickeln, diesen Zustand erneut zu erfahren.

Philosophisch betrachtet entsteht daraus ein bemerkenswertes Paradox: Der Mensch begehrt einen Zustand, in dem sein gewöhnliches Ich für einen Augenblick die Kontrolle verliert. Er strebt also bewusst nach einem Zustand, in dem das bewusste Streben selbst für einen Moment aufgehoben wird. Sobald die Erfahrung vorüber ist, bleibt die Erinnerung daran zurück – und aus dieser Erinnerung kann erneut Verlangen entstehen. So kann sich ein Kreislauf von Erwartung, Erfahrung, Entspannung, Erinnerung und erneutem Verlangen bilden.

Vielleicht liegt gerade hierin ein Teil der besonderen Bedeutung des Orgasmus für den Menschen. Er ist nicht nur eine biologische Funktion der Fortpflanzung und auch nicht nur ein Mechanismus zur sexuellen Lust. Er kann zugleich eine außergewöhnlich intensive Erfahrung von Hingabe, Gegenwärtigkeit und zeitweiligem Verlust der Ich-Kontrolle sein. Der Mensch erfährt dabei seinen eigenen Körper auf eine Weise, die ihn für einen kurzen Augenblick aus seinem gewöhnlichen Bewusstseinszustand herausführt.

Ist der Orgasmus deshalb ein „göttliches Gefühl“? Wissenschaftlich lässt sich eine solche Aussage nicht beweisen. Es gibt keinen naturwissenschaftlichen Nachweis dafür, dass während des Orgasmus eine göttliche Wirklichkeit erfahren wird. Aber die Frage kann auf einer anderen Ebene gestellt werden. Wenn „göttlich“ nicht als naturwissenschaftliche Behauptung, sondern als Bezeichnung für eine Erfahrung von außergewöhnlicher Intensität, Einheit, Hingabe und Transzendenz verstanden wird, dann besitzt der Begriff durchaus eine gewisse Berechtigung. Der Mensch erlebt etwas, das seine gewöhnliche Wahrnehmung übersteigt und sich einer vollständigen sprachlichen Beschreibung entzieht.

Vielleicht ist deshalb die Verbindung zwischen Sexualität und Religion auch kulturgeschichtlich weniger zufällig, als es zunächst erscheinen mag. In zahlreichen religiösen und philosophischen Traditionen finden sich Vorstellungen von Vereinigung, Verschmelzung und Ekstase. Die Vereinigung zweier Menschen wurde dabei teilweise sogar als Sinnbild einer umfassenderen Vereinigung des Menschen mit dem Göttlichen verstanden. Der Körper wurde zum Symbol für eine Erfahrung, die über den Körper hinausweist.

Dabei sollte man allerdings nicht den Fehler machen, die biologische Erklärung gegen die philosophische Deutung auszuspielen. Dass wir erklären können, welche neurologischen und hormonellen Prozesse während eines Orgasmus stattfinden, bedeutet nicht automatisch, dass damit die gesamte Bedeutung dieser Erfahrung erklärt wäre. Auch Liebe lässt sich neurobiologisch untersuchen, ohne dass damit die Bedeutung der Liebe für den Menschen erschöpft wäre. Musik lässt sich physikalisch als Schwingung von Luftmolekülen beschreiben, ohne dass damit erklärt wäre, warum sie einen Menschen tief berühren kann. Ebenso kann man den Orgasmus biologisch erklären und dennoch nach seiner subjektiven, psychologischen und philosophischen Bedeutung fragen.

Vielleicht ist genau diese Mehrdimensionalität das eigentlich Faszinierende. Der Orgasmus verbindet Körper und Bewusstsein, Trieb und Gefühl, Lust und Entspannung, Selbstbeherrschung und Hingabe. Er zeigt, dass der Mensch zwar ein biologisches Wesen ist, seine körperlichen Erfahrungen aber zugleich eine psychische und symbolische Bedeutung erhalten können.

Und vielleicht liegt darin auch die tiefere Bedeutung von „la petite mort“. Der „kleine Tod“ wäre dann nicht der Tod des Menschen, sondern der kurze Tod seines alltäglichen Ichs. Für einen Augenblick verstummt das Denken, die Kontrolle tritt zurück, die Zeit scheint ihre gewöhnliche Bedeutung zu verlieren und der Mensch erlebt nur noch den unmittelbaren Augenblick. Danach kehrt das normale Bewusstsein zurück. Der Mensch ist wieder derselbe – und doch hat er für einen Moment erfahren, wie es sein könnte, nicht mehr ständig über sich selbst nachzudenken, sondern einfach nur zu sein.

In diesem Sinne könnte der Orgasmus tatsächlich als eine Art Grenzerfahrung des menschlichen Bewusstseins verstanden werden. Er ist keine nachgewiesene Begegnung mit Gott und kein Beweis für ein Leben nach dem Tod. Aber er kann dem Menschen eine Erfahrung vermitteln, die sich in ihrer Intensität, Unmittelbarkeit und zeitweiligen Auflösung des Ichs erstaunlich nahe an jene Vorstellungen heranführen lässt, die Religionen mit Begriffen wie Ekstase, Himmel, Einheit und Transzendenz verbinden.

Vielleicht ist der Mensch deshalb so stark von dieser Erfahrung angezogen: Nicht allein, weil sie Lust bereitet, sondern weil sie ihm für einen kurzen Augenblick die Last seines gewöhnlichen Ichs abnimmt. Der Mensch muss nichts erklären, nichts planen, nichts kontrollieren. Er ist einfach da – vollständig im Augenblick. Und wenn dieser Augenblick vorübergeht, kehrt er in seine normale Welt zurück.

So betrachtet könnte man den Orgasmus als einen kleinen Vorgeschmack auf das Unbekannte verstehen: nicht auf den Tod im biologischen Sinne und auch nicht als Beweis für eine göttliche Welt, sondern als eine natürliche menschliche Erfahrung, in der die Grenzen des gewöhnlichen Ich-Bewusstseins für einen kurzen Moment durchlässig werden. Vielleicht ist es gerade diese Verbindung von Körperlichkeit und Transzendenz, die den Orgasmus zu einer der faszinierendsten Erfahrungen macht, die dem Menschen gegeben sind.

Der „kleine Tod“ wäre dann zugleich ein kleines Leben in der Gegenwart: ein Augenblick, in dem der Mensch aufhört, über das Leben nachzudenken, und es für einen Moment nur noch unmittelbar erfährt. Und vielleicht liegt genau darin jene Ahnung von Ewigkeit, nach der der Mensch seit jeher sucht.

Und vielleicht liegt gerade hier eines der größten Paradoxe im Umgang des Menschen mit sich selbst: Ausgerechnet eine der ursprünglichsten, intensivsten und zugleich natürlichsten Erfahrungen des menschlichen Lebens wird seit Jahrhunderten mit einer erstaunlichen Hartnäckigkeit tabuisiert. Sexualität gehört untrennbar zur menschlichen Existenz. Ohne sie gäbe es keine menschliche Fortpflanzung, keine nächste Generation und letztlich keinen Menschen. Und dennoch wurde gerade sie in vielen Gesellschaften mit Scham, Schuldgefühlen, Verboten und moralischen Vorstellungen überlagert. Besonders der Orgasmus, obwohl er zu den stärksten natürlichen Erfahrungen des menschlichen Körpers und Bewusstseins gehört, wird häufig nur hinter vorgehaltener Hand thematisiert oder in eine vermeintlich „schmutzige“, anrüchige oder sogar obszöne Ecke gestellt.

Das ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, welche Bedeutung Sexualität tatsächlich für das menschliche Leben besitzt. Der Mensch verbringt einen erheblichen Teil seines Lebens damit, Liebe, Nähe, Zuneigung, Partnerschaft und sexuelle Erfüllung zu suchen. Sexualität kann Beziehungen begründen, Menschen miteinander verbinden, Sehnsucht erzeugen, Eifersucht auslösen, Glück schenken, Konflikte hervorrufen und sogar ganze Lebensentscheidungen beeinflussen. Der Wunsch nach körperlicher und emotionaler Nähe gehört zu den tiefsten Bedürfnissen vieler Menschen. Und dennoch fällt es uns häufig leichter, über Krieg, Krankheit, Geld, Macht oder Tod zu sprechen als über die intimste körperliche Erfahrung des Menschen.

Besonders widersprüchlich erscheint dies beim Orgasmus. Einerseits wird er in der modernen Gesellschaft kommerzialisiert, vermarktet und ständig in Werbung, Film, Musik und Medien angedeutet. Andererseits wird über die tatsächliche Bedeutung dieser Erfahrung nur selten ernsthaft gesprochen. Der Orgasmus erscheint dadurch häufig entweder als Konsumgut, als sexuelle Leistung oder als Anlass für Unterhaltung – nicht aber als ein bemerkenswertes Phänomen des menschlichen Körpers und Bewusstseins, das auch psychologisch und philosophisch betrachtet werden kann.

Vielleicht liegt darin ein grundlegendes Missverständnis. Sexualität ist nicht an sich „schmutzig“. Schmutzig können allenfalls bestimmte Formen des Umgangs mit Sexualität sein – etwa Ausbeutung, Gewalt, Zwang oder die Reduzierung eines Menschen auf ein Objekt. Die Sexualität selbst ist zunächst ein natürlicher Bestandteil des menschlichen Lebens. Der Orgasmus ist weder moralisch gut noch schlecht. Er ist eine körperliche und psychische Erfahrung, deren Bedeutung davon abhängt, in welchem Zusammenhang sie stattfindet und wie Menschen miteinander umgehen.

Es wäre deshalb sinnvoll, Sexualität aus dieser widersprüchlichen Mischung aus Tabuisierung und gleichzeitigem kommerziellem Übermaß herauszulösen. Weder muss man sie verklären noch muss man sie abwerten. Man kann sie schlicht als das betrachten, was sie ist: einen fundamentalen Bestandteil der menschlichen Natur. Und gerade der Orgasmus verdient dabei eine differenziertere Betrachtung. Er ist nicht bloß eine körperliche Entladung und nicht lediglich ein Mittel zur sexuellen Befriedigung. Er kann eine Erfahrung von Lust, Hingabe, Nähe, Kontrollverlust, Entspannung und zeitweiliger Auflösung des gewöhnlichen Ich-Bewusstseins sein.

Vielleicht sollten wir deshalb den Mut entwickeln, über Sexualität ebenso selbstverständlich und ernsthaft zu sprechen wie über andere Grundbereiche des menschlichen Lebens. Denn wer sich mit dem Menschen beschäftigt, kann seinen Körper nicht vom Geist, seine Sexualität nicht von seinen Gefühlen und seine Gefühle nicht von seinem Bewusstsein trennen. Sexualität berührt Fragen nach Liebe und Bindung ebenso wie Fragen nach Identität, Vergänglichkeit und Lebenssinn. Und wenn der Orgasmus tatsächlich – wie die alte französische Bezeichnung „la petite mort“ nahelegt – eine kleine Erfahrung des Loslassens, der Ich-Auflösung und der zeitweiligen Überwindung des gewöhnlichen Bewusstseins sein kann, dann verdient er mehr als einen verschämten Blick zur Seite.

Vielleicht sollten wir deshalb gerade bei diesem Thema lernen, zwischen Scham und Intimität, zwischen Moral und Moralismus, zwischen Ausbeutung und natürlicher Sexualität zu unterscheiden. Intimität darf privat sein, ohne deshalb schmutzig zu sein. Sexualität darf persönlich sein, ohne deshalb tabuisiert werden zu müssen. Und über den Orgasmus nachzudenken bedeutet nicht, ihn zu verherrlichen oder zu sexualisieren. Es bedeutet vielmehr, einen Teil der menschlichen Natur ernst zu nehmen.

Denn letztlich führt die Frage nach dem Orgasmus weit über die Sexualität hinaus. Sie führt zu der Frage, was Bewusstsein eigentlich ist, warum der Mensch nach Lust und Nähe verlangt, weshalb er sich nach bestimmten Zuständen sehnt und warum Erfahrungen, in denen das eigene Ich für einen Augenblick zurücktritt, eine so außergewöhnliche Faszination besitzen. Und damit berührt die Betrachtung des Orgasmus plötzlich dieselben großen Fragen, die den Menschen seit jeher beschäftigen: Was bin ich? Was bedeutet es, bewusst zu sein? Warum sehne ich mich nach Einheit und Nähe? Was bedeutet Liebe? Was geschieht mit meinem Ich, wenn ich die Kontrolle verliere? Und gibt es möglicherweise Erfahrungen, die uns für einen kurzen Augenblick an eine Wirklichkeit erinnern, die größer ist als unser alltägliches Bewusstsein?

Gerade deshalb ist es bedauerlich, dass ein so zentraler Bestandteil des menschlichen Lebens immer wieder entweder verschwiegen oder in eine „schmutzige“ Ecke gedrängt wird. Vielleicht ist es an der Zeit, Sexualität weder zu tabuisieren noch zu trivialisieren, sondern sie mit derselben Offenheit, Ernsthaftigkeit und menschlichen Würde zu betrachten wie Geburt, Liebe, Krankheit, Alter und Tod. Denn wenn Sexualität zum Menschsein gehört, dann gehört auch das Nachdenken über Sexualität zum Verständnis des Menschen. Und vielleicht beginnt genau dort, wo wir uns erlauben, ohne Scham über diese Dinge zu sprechen, eine offenere und ehrlichere Betrachtung dessen, was der Mensch tatsächlich ist.